Ronny Schumann · Gründer DIGISTAFF
14 Jahre Autohaus- und B2B-Vertrieb, ehem. SEAT Topverkäufer. Spezialisiert auf KI-Agenten für Werkstatt- und Autohausbetriebe in Deutschland.
Kurzantwort:
Von 1.049 erreichbaren deutschen Kfz-Betrieben nehmen 759 Betriebe, also 72,4 Prozent, Termine ausschließlich telefonisch entgegen. 112 Betriebe bieten ein Terminformular ohne Buchung an, 99 eine echte Online-Buchung mit Terminauswahl, 79 allein WhatsApp. Rechnet man WhatsApp als Telefonersatz, bieten 79,9 Prozent keinen strukturierten Weg ohne Anruf.
Warum diese Frage offen war
Zur Nachfrageseite gibt es Zahlen. Die TÜV-NORD-Untersuchung für die Fachzeitschrift AUTOHAUS zeigt, dass 81 Prozent der Kunden einen Werkstatttermin per Selbstbedienung buchen würden, und dass die Zufriedenheit mit dem Telefonkontakt zu 94 Prozent die Gesamtzufriedenheit mit dem Betrieb bestimmt. Was fehlt, ist die Angebotsseite. Auf die Frage, wie viele deutsche Kfz-Betriebe überhaupt eine Online-Terminbuchung anbieten, gibt es keine veröffentlichte Zahl. Weder Verbände noch Marktforscher haben sie erhoben.
Statt weiter mit Schätzungen zu arbeiten, habe ich nachgesehen. Diese Seite dokumentiert, wie das geschehen ist, damit jeder die Zahl einordnen und kritisieren kann. Wer nur das Ergebnis zitieren will, findet es oben. Wer wissen will, wie belastbar es ist, liest weiter.
Das Ergebnis und zwei Lesarten
| Stufe | Was der Kunde vorfindet | Betriebe | Anteil |
|---|---|---|---|
| A | Echte Online-Buchung, der Kunde wählt selbst einen Termin | 99 | 9,4 % |
| B | Terminformular, Anfrage ohne Anruf, der Betrieb meldet sich zurück | 112 | 10,7 % |
| W | Nur WhatsApp, ohne Anruf, aber ohne Struktur | 79 | 7,5 % |
| C | Nur Telefon, kein erkennbarer anderer Weg | 759 | 72,4 % |
WhatsApp steht bewusst als eigene Zeile und wird nicht zu den Terminformularen gerechnet. Der Kanal erfüllt die Bedingung ohne Anruf, aber nicht die Bedingung strukturiert. Der Kunde muss sein Anliegen selbst formulieren, es gibt keine Pflichtfelder und keinen Terminvorschlag. Wer die Zahl anders schneiden möchte, kann das anhand der Tabelle tun. Beide Lesarten gehören genannt: Streng gelesen nehmen 72,4 Prozent Termine ausschließlich telefonisch entgegen. Weit gelesen, mit WhatsApp als Telefonersatz, bieten 79,9 Prozent keinen strukturierten Weg ohne Anruf.
Grundgesamtheit und vier Verzerrungen
Basis waren 1.396 Kfz-Betriebe aus eigener Recherche, davon 1.228 mit hinterlegter Website. Nach Zusammenfassung mehrfach vorkommender Domains blieben 1.066 Betriebswebsites als Grundgesamtheit. Davon waren 1.049 erreichbar, also 98,4 Prozent. Die 17 Ausfälle verteilen sich auf 8 Betriebe, die das Auslesen per robots.txt untersagen, 5 Verbindungsfehler, 2 Zeitüberschreitungen, eine Weiterleitungsschleife und einen Lesefehler. Sie sind im Datensatz mit Ausfallgrund gekennzeichnet und aus allen Prozentwerten herausgerechnet. Nach Branche verteilen sich die 1.066 Betriebe auf 655 Kfz-Werkstätten, 131 Autohäuser, 116 Karosserie- und Lackbetriebe, 85 Reifenservices und 79 Kfz-Meisterbetriebe.
Vier Verzerrungen begrenzen das Ergebnis, und sie gehören zu jeder Nennung der Zahl dazu:
- Keine Zufallsstichprobe. Die Liste stammt aus eigener Recherche über Google Places und die Jobsuche-Schnittstelle der Bundesagentur für Arbeit, mit regionalen Schwerpunkten. Das Ergebnis gilt für diese 1.049 Betriebe und ist nicht auf den deutschen Kfz-Bestand hochgerechnet.
- Betriebe ohne Website fehlen vollständig. Wer gar keine Website hat, kann erst recht keinen Termin online annehmen. Der wahre Anteil telefonabhängiger Betriebe liegt also eher höher als das Ergebnis. Die Verzerrung geht zugunsten der Gegenthese, nicht zugunsten meiner.
- Kein Test, ob die Buchung funktioniert. Erhoben wurde das Angebot, nicht die Funktion. Ein Buchungssystem, das seit Monaten keine freien Termine ausspielt, zählt hier trotzdem als Stufe A.
- Momentaufnahme. Alle Angaben beziehen sich auf den 6. August 2026. Das Datum steht an jeder Zahl und in jeder Zeile des Datensatzes.
Was als Terminweg zählt
Die Erkennungsmerkmale stammen nicht aus dem Kopf, sondern aus einer Handstichprobe von zwölf Betriebswebsites, die vor dem Bau des Detektors durchgesehen wurden. Diese Stichprobe hat zwei Konstruktionsfehler verhindert. Erstens gibt es branchenspezifische Portale, die keine generische Liste kennt: Ein Betrieb verlinkte den Terminwunsch auf reparatur.info, ein Werkstattportal, das in keinem Standardverzeichnis für Buchungssoftware steht. Unbekannte externe Terminlinks wurden deshalb gesammelt statt verworfen und nach dem Lauf ausgewertet. Zweitens reicht die Startseite nicht. Die gefundenen Buchungswege lagen auf Unterseiten wie /onlinebuchung oder /service. Ein Scanner, der nur die Startseite liest, unterschätzt den Anteil systematisch. Deshalb wurden zwei Ebenen geprüft.
Stufe A liegt vor, wenn ein bekanntes Buchungssystem über seine Signatur im Skriptkörper, in src, href oder iframe nachweisbar ist, oder wenn ein externer Terminlink auf ein Formular mit Datums- oder Zeitfeld führt. Stufe B liegt vor bei einem Formular auf der Termin- oder Kontaktseite mit mindestens einem Feld aus Termin, Datum, Wunschtermin oder Uhrzeit, ohne Auswahl eines Slots. Stufe C ist die Restmenge: weder A noch B, Telefonnummer vorhanden, sonst kein Weg.
Positivkontrolle und Handprüfung
Ein Erkennungswerkzeug, das nichts findet, kann recht haben oder kaputt sein. Um das zu trennen, musste der Detektor vor dem Lauf fünf Betriebe mit vorher von Hand festgestellter Wahrheit richtig einstufen, darunter zwei mit belegtem Buchungssystem, einer mit Rückruf-Formular, einer ohne jeden Terminweg und digistaff.de selbst als Fall mit bekannter Antwort. Dazu kam je ein konstruierter Positivfall für jeden der vier Erkennungspfade. Hätte der Detektor einen davon übersehen, wäre das Ergebnis wertlos gewesen.
Der Anlass für diese Strenge ist ein eigener Fehlschlag. Eine frühere Erhebung im Juli 2026 meldete null Treffer für bekannte Chat-Anbieter, weil der Detektor nur src-Attribute durchsuchte, der übliche Einbaucode diese Adresse aber im Skriptkörper setzt. Der Nullbefund war kein Befund, sondern ein Defekt.
Nach dem Durchlauf wurde eine Zufallsstichprobe von 40 Betrieben von Hand gegengeprüft, mit einer vorher festgelegten Schwelle: über 5 Prozent Fehlerquote wird das Muster korrigiert und vollständig neu erhoben, nicht die Zahl geschönt. Diese Regel ist nicht theoretisch, die erste Fassung derselben Methode lag im Juli bei 34 Prozent Falsch-Positiven und wurde verworfen. Die Nachprüfung von Stufe A ergab null Falsch-Positive unter elf geprüften Betrieben. Zusätzlich wurden 145 Betriebe der Stufe C vollständig im Browser gerendert, um nachträglich per JavaScript geladene Buchungssysteme zu finden. Dabei tauchte kein einziges übersehenes System auf.
16 Buchungssysteme, kein Marktführer
Der Befund ist für die Anbieterseite unbequem: Es gibt keinen Marktführer. Markengebundene Betriebe bekommen ihr System vom Hersteller oder Konzern, freie Werkstätten nutzen deutsche Branchen-Systemhäuser. Bemerkenswert ist die geringe Rolle internationaler Allzwecktools. Nur 6 der 99 Betriebe setzen ein solches ein, vier Calendly und zwei Microsoft Bookings. Wer Software in diesen Markt verkaufen will, konkurriert nicht gegen einen großen Anbieter, sondern gegen sechzehn kleine und gegen das Telefon.
Grenzen der Erhebung
Es gab keine Testbuchungen, keine verdeckten Anfragen und keine Anrufe. Das wäre Täuschung von Betrieben derselben Branche, in der ich seit vierzehn Jahren arbeite. Es hätte die Datenqualität erhöht und den Ruf gekostet, der diese Arbeit erst möglich macht. Ebenso gibt es keine Bewertung einzelner Betriebe. Veröffentlicht werden nur Aggregatzahlen, der Datensatz enthält weder Betriebsnamen noch Domains. Ein Betrieb, der Termine nur telefonisch annimmt, macht nichts falsch, er tut das, was 72,4 Prozent der Branche tun.
Für Buchungssysteme, die erst per JavaScript nachgeladen werden, gibt es keinen vollständigen Nachweis. Der Versuch, alle 838 Betriebe der Stufe C vollständig zu rendern, scheiterte an 83 Prozent Ausfall durch zu hohe Parallelität. Die 145 auswertbaren Renderings ergaben null Treffer, was gegen eine nennenswerte Dunkelziffer spricht, sie aber nicht ausschließt. Der Wert für Stufe A ist deshalb als Untergrenze zu lesen: Es können etwas mehr Betriebe eine Online-Buchung anbieten als gemessen, kaum weniger.
Datensatz und Zitierweise
Der vollständige anonymisierte Datensatz steht als CSV zur Verfügung, mit einer Zeile je Betrieb, Branche, Ort, eingestuftem Terminweg, erkanntem Buchungssystem, Rückruf- und Notdienstangabe, Erhebungsdatum und gegebenenfalls Ausfallgrund. Betriebsnamen und Domains sind entfernt. Die Nutzung ist unter Namensnennung frei (CC BY 4.0).
Datensatz als CSV herunterladen
Schumann, Ronny (2026): Terminannahme in deutschen Kfz-Betrieben. Eigene Erhebung auf 1.049 Betriebswebsites, Stand 6. August 2026. DIGISTAFF, Berlin. Online: https://www.digistaff.de/erhebung-terminannahme-kfz-2026.html
Änderungsstand. 12. August 2026, Erstveröffentlichung. Korrekturen und Nacherhebungen werden an dieser Stelle mit Datum vermerkt. Wer einen Fehler findet, kann ihn melden, das ist ausdrücklich erwünscht.
Was das für einen Kfz-Betrieb bedeutet
Die Zahl ist kein Vorwurf an die Betriebe. Ein Grund für die Telefonlastigkeit ist struktureller Natur: Der Hersteller eines verbreiteten Dealer-Management-Systems hat mir auf Nachfrage bestätigt, dass freie Anbieter nicht direkt in seinen Werkstattplaner schreiben dürfen, während Systeme der Fahrzeughersteller es dürfen. Wer als freie Werkstatt eine Online-Buchung will, stößt also auf eine Zugangshürde, nicht auf eigene Trägheit. Das erklärt auch, warum unter den Betrieben mit echter Buchung überproportional viele markengebunden sind. Praktisch heißt das: Der erste Schritt ist selten, das Telefon abzuschaffen. Der erste Schritt ist, die Anrufe aufzufangen, die heute verloren gehen, weil montags zwischen acht und zehn niemand abnehmen kann.
Wie sieht das in Ihrem Betrieb aus?
In einer kostenfreien Potenzialanalyse sehe ich mir Ihre Terminannahme an und sage Ihnen, ob sich Automatisierung lohnt. Rund 30 Minuten, ohne Verpflichtung.
Kostenfreie PotenzialanalyseHäufige Fragen
Wie viele Kfz-Betriebe nehmen Termine nur telefonisch an?
In dieser Erhebung vom 6. August 2026 waren es 759 von 1.049 erreichbaren Betrieben, also 72,4 Prozent. Rechnet man WhatsApp als Telefonersatz hinzu, bieten 79,9 Prozent keinen strukturierten Weg ohne Anruf.
Gilt die Zahl für alle Kfz-Betriebe in Deutschland?
Nein. Es ist keine Zufallsstichprobe, sondern eine Auswertung dieser 1.049 Betriebe. Betriebe ganz ohne Website fehlen, und weil die erst recht keine Online-Buchung anbieten können, liegt der wahre Anteil telefonabhängiger Betriebe eher höher.
Wurden Testbuchungen oder Anrufe durchgeführt?
Nein. Keine Testbuchungen, keine verdeckten Anfragen, keine Anrufe. Erhoben wurde ausschließlich, was ein Betrieb öffentlich auf seiner Website anbietet.
Welche Buchungssysteme sind verbreitet?
16 verschiedene ohne dominierenden Anbieter. Am häufigsten soft-nrg mit 14 Betrieben, Porsche Informatik SBO mit 11 und Booklyn mit 9. Nur 6 der 99 Betriebe mit Online-Buchung setzen ein US-Allzwecktool ein.
Kann ich die Erhebung nachprüfen?
Ja. Der anonymisierte Datensatz steht oben als CSV zum Download, die Methodik ist auf dieser Seite vollständig beschrieben, inklusive der Verzerrungen und der Grenzen. Wer einen Fehler findet, kann ihn melden.
Quellen
- Eigene Erhebung DIGISTAFF, Ronny Schumann, Stand 6. August 2026: 1.066 geprüfte Betriebswebsites, davon 1.049 erreichbar. Methodik und Datensatz auf dieser Seite.
- TÜV NORD Mobilität für AUTOHAUS: Kundenbefragung zur Werkstattzufriedenheit, Stichprobe 842 beziehungsweise 275 Befragte. Abgerufen am 6. August 2026.
- Auskunft eines DMS-Herstellers zum Schreibzugriff auf den Werkstattplaner, schriftlich erhalten am 5. August 2026. Der Hersteller ist auf Anfrage benennbar.
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